Das Ehrenmal für die vierhundert gefallenen Blätter

Auf dem Marktplatz Amöneburgs befindet sich eines jener fragwürdigen Kriegerdenkmäler. Drauf stehen die Namen derjenigen Männer, welche im ersten oder zweiten Weltkrieg gefallen, d.h. krepiert, sind.

ehren1.jpg ehrenh.jpg

Oben hockt ein monströser Hamster, der guckt, als drückte er gerade ein Würstchen aus sich heraus. Vor seinen Bauch hält er ein Brett, damit man nicht genau sieht, was er tut. Auf seinem Kopf hat der Hamster eine Lockenperücke und im Gesicht die aufgedunsene Nase eines alten Gewohnheitssäufers.

Die meisten der gefallenen Krieger waren Burschen, die zu dumm oder zu feige waren, sich Kaiser Wilhelm dem Zweiten oder Adolf Hitler zu widersetzen. Der Tod dieser Burschen ist traurig. Doch Mitläufer als Helden zu verherrlichen ist unangebracht. Nichtsdestoweniger wird auch das Amöneburger Kriegerdenkmal als Zielpunkt neonazistischer Aufmärsche missbraucht: Es soll um Ehre gehen, Heldengedenken und dergleichen Hokuspokus für Schwachköpfe.

Der Mann vor dem Denkmal ist ein moderner Krieger, einer der Betrunkenen, die nachts auf dem Amöneburger Marktplatz ihr Unwesen treiben. Er hatte mich mit einem Pfefferspray eingesprüht (rot in seiner rechten Hand). Er meinte nun, er hätte mich besiegt, keulte hinter mir her und ließ dabei die Verdeckung seines Gesichts sinken. Ich machte dieses Foto, nahm mich seiner an und identifizierte ihn.

Als mein Garagentor frisch gestrichen werden musste, beschloss ich das Ehrenmal für die vierhundert gefallenen Blätter zu schaffen.

ehren2.jpg

Es war gerade Herbst. Ich suchte etwa vierhundert auf dem Boden liegende Blätter zusammen und pauste sie auf das Garagentor. Das Garagentor sah schöner aus als alle Kriegerdenkmäler. Es wurde Treffpunkt naturkundlicher Vereine. Eltern ließen ihre Kinder raten, zu welchen Bäumen die Blätter gehört hatten.

ehren3.jpg

Hier ist das, was die Nachfahren der Helden daraus gemacht haben, und zwar in der Woche vor dem 23.2.2001, als ich ein paar Tage nicht in Amöneburg war. Ich habe das Geschmier abgerieben, doch die Leuchtkraft der Farben litt darunter sehr.

zur lieben Justiz

zurück in die Heimat