Das Hakenkreuz bei Bürgeln

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Dieses Symbol des Schwachsinns und der Gewalt hat mindestens anderthalb Jahre lang allen Passanten verdeutlicht, wer im Landkreis die Macht hat. Hunderttausend Leute oder mehr haben das Hakenkreuz gesehen.

Am 3.9.2000 gehörte die Stelle zur Wegstrecke von Ohne Auto mobil. Die Autostraße B62 wurde für Kraftfahrzeuge gesperrt und für Fußgänger, Skater und Fahrradfahrer freigegeben. Ohne Auto mobil war eine typische Öko-Veranstaltung. Unter den zehntausend Teilnehmern waren mindestens ein paar hundert Ökos. Die Strecke wurde intensiv von der Polizei kontrolliert.

Dass Polizeibeamte kurzzeitig erblinden, wenn sie ein Hakenkreuz sehen, wundert niemanden. Dass aber auch die Ökos, diese fortschrittlichen Wohltäter, ein Hakenkreuz stehen lassen, war bitter.

Schon 1998 hatte ich die Polizei um Hilfe gebeten, als Nazi-Ausschreitungen in Amöneburg überhand nahmen. Das war mir schlecht bekommen. Die Polizei hatte sich viel Zeit gelassen, dann mich ins Gebet genommen und Papierkram erzeugt, aber die einfachsten Maßnahmen unterlassen, um die Täter dingfest zu machen.

Das Hakenkreuz bei Bürgeln fiel mir Mitte 1999 zum ersten Mal auf. Diesmal, hoffte ich, würde jemand anders für die Entfernung sorgen. Als aber das Hakenkreuz sieben Wochen nach Ohne Auto mobil immer noch da war, packte mich die Wut. Ich schrieb am 25.11.2000 an die Polizei in Stadtallendorf und tags darauf an den Landrat, einen gewissen Robert Fischbach von der CDU. Außerdem schaute ich bei www.marburg-biedenkopf.de nach den Adressen derjenigen Kreistagsabgeordneten, welche in der Nähe von Bürgeln wohnten. Es waren

  Gesa Zickermann (Bündnis90/Grüne)
  Dorfstraße 1
  35274 Kirchhain

  Heinz Wilhelm Wasmuth (Freie Bürger)
  Hebertstraße 23
  35091 Cölbe

  Konrad Geisel (SPD)
  Marburger Landstraße 16
  35091 Cölbe
Ich schrieb auch diesen Personen und forderte sie auf, sich gegen das Hakenkreuz bei Bürgeln zu engagieren. Damit war der Kreistag informiert. Denn die CDU war mit dem Brief an den Landrat versorgt. Und ob sich die Republikaner für die Entfernung eines Hakenkreuzes begeistern würden, daran hatte ich von vornherein Zweifel.

Ein paar Tage nach meinen Briefen rief mich ein Herr Wasmuth an (vermutlich der von den Freien Bürgern; hier geistert aber auch ein CDU-Waßmuth herum). Wasmuth erklärte meinem Anrufbeantworter, er habe Einfluß bei einer Straßenbaubehörde. Er könne mich glücklich machen und die Entfernung des Hakenkreuzes veranlassen. Als ich den Freie-Bürger-Wasmuth anrief, geriet ich an seinen Anrufbeantworter. Mein Appell, Wasmuth solle auch von sich aus die Staatsanwaltschaft aktivieren, blieb unbeantwortet.

Das hat Wasmuth bewirkt:

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Zwar ist das verfassungswidrige Zeichen verschwunden. Doch wurde es so schlampig überschmiert, dass die Sachbeschädigung noch größer wurde. Die Reklame für die BÖhSEN ONKELz rechts an der Wand ist geblieben. Die Stelle dokumentiert heute noch, welches Verhältnis Politiker und Behörden zu Nazis haben.

Große Teile Nordhessens sind seit langem Nazi-Land. Viele Alte blöken den Jungen immer wieder die gleiche Hetze vor: "Einheimische" gegen "Fremde", "Deutsche" gegen "Ausländer"; schuld sind immer "Fremde" oder "Ausländer". Wenn die Folgen der Hetze zu peinlich werden, behaupten Behörden, es handle sich um Einzelfälle. Selbstverständlich ist das Hakenkreuz bei Bürgeln kein Einzelfall.

Partei-Bonzen halten sich für oberschlau, wenn sie sich beim Mob anbiedern. Sie wollen damit Wahlen gewinnen. Als ob dieser Trick nicht schon genug Unheil angerichtet hätte.

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