Der Fachbereich Physik liegt in der Marburger Oberstadt inmitten von
Verbindungshäusern. Dort hausen die Burschenschaftler.
Burschenschaften sind Organisationen, in denen ältere Männer, die schon vom Alkohol abhängen, dafür sorgen, dass auch jüngere zu Alkoholikern werden.
Einige Burschenschaften sind schlagend. Mut und Männlichkeit kommen bei diesen Leuten zum Ausdruck, indem sie andere mit scharfkantigen Metallgegenständen ins Gesicht hauen.
Zweck der Burschenschaften ist es, Beziehungen über Fähigkeiten zu stellen. Wenn ein sogenannter Alter Herr auf einem leitenden Posten hockt, protegiert er Nachwuchs aus seiner Burschenschaft, auch wenn der Nachwuchs aus trunksüchtigen Trotteln besteht. Und wenn die Trottel zu Alten Herren geworden sind, ziehen sie die nächste Generation trunksüchtiger Trottel heran.
Wer so betrunken ist, dass er alles doppelt sieht, erkennt rechts
Old Schätterhänd und Winnetuh. Das Bild beweist die Förderung
des Alkoholismus bei der Marburger Burschenschaft Germania. Das Motto dieser
Germanen: Dem Freunde die Brust, dem Feinde die Vorderseite
(amico pectus hosti frontem!). Dabei sind alle Männer.
Die Burschenschaften haben dem Nationalsozialismus den Weg bereitet.
1949 erklärte die Westdeutsche Rektorenkonferenz im Tübinger Beschluss:
Quelle: Das große Lexikon des Dritten Reiches, München 1985,
Schlagwort 'Burschenschaften'
Im Bilde der kommenden studentischen Gemeinschaft wird kein Platz mehr sein
für Veranstaltungen von Mensuren, die Behauptung eines besonderen Ehrbegriffs,
die Abhaltung geistloser und lärmender Massengelage, die Ausübung
einer unfreiheitlichen Vereinsdisziplin und das öffentliche Tragen von Farben.
Wenige Jahre danach wurden die Universitäten von der rechtsstaatlichen
deutschen Justiz gezwungen Burschenschaften wieder zuzulassen.
Speziell in Marburg macht das Brust-an-Brust-Verhältnis zwischen Justiz und Burschenschaften manches möglich, was wegen des Strafgesetzbuches nicht sein dürfte:
Der Chefideologe der sächsischen NPD-Fraktion Jürgen
Werner Gansel wurde in Marburg ausgebildet.
Ende 1999 wurde mit seinem Luftgewehr auf einen Hausmeister geschossen,
der sich über lautstarke Sieg-Heil-Rufe aus dem Marburger Verbindungshaus
der Normannia-Leipzig beschwert hatte. Die daraufhin anrückende
Polizei empfing Gansel mit dem Hitlergruß und weiteren Sieg-Heil-Rufen.
Das Strafverfahren wurde im Jahr 2000 eingestellt, teilte Oberstaatsanwalt
Wölk am 18.2.2005 mit.
Quelle: Marburger Neue Zeitung vom 19.2.2005
Oberstaatsanwalt Wölk ist langjähriger Veranstalter des rechtsextremen
Marburger Marktfrühschoppens.
Zwischen so vielen Perversitäten stumpft man ab. Ich zwang mich,
das Hakenkreuz zu fotografieren, und zwar am 12.5.1999. Es ist inzwischen
verschwunden.