Die Straße der zehntausend toten Tiere

In den Nächten zum Samstag und Sonntag kacheln die Betrunkenen noch hemmungsloser als sonst über die Straße der zehntausend toten Tiere. Die Straße der zehntausend toten Tiere heißt auf Amtsdeutsch L3088 und führt von Marburg nach Kirchhain. Die Betrunkenen also kacheln, und manchmal kommen sie dabei um. Bevor sie selbst sterben, töten sie dutzende Tiere, ein paar hundert Pflanzen und gelegentlich unbeteiligte Menschen.

Martes foina

Der Steinmarder ist von einem Auto an der Brust getroffen und auf den Seitenstreifen geschleudert worden. Er ist an seinen inneren Verletzungen verblutet. Das Blut quillt aus seiner Schnauze. Derartige Bilder sind an der Straße der zehntausend toten Tiere häufig. Oft bleiben die Tiere auf der Fahrbahn liegen und werden zu einem Brei aus Blut, Fleisch und Knochen zerquetscht.

Noch häufiger als tote Tiere liegen Bierflaschen und -dosen auf den Seitenstreifen. Die Betrunkenen werfen die Dinger, wenn sie sie leer haben, aus ihren Autos.

Die Bierflasche stammt von einem Alkohol-Produzenten (Licher Bier), der mit dem Slogan "Aus dem Herzen der Natur" Reklame macht.

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Auf den Plakaten der Brauerei werden zum Beispiel Kronenkorken gezeigt, die Buchenblätter zumüllen. Oder ein mit Bier gefülltes Glas steht zwischen Tieren und Pflanzen. Die Bilder sind auf Computern montiert worden. Sie haben mit Natur nichts zu tun. Ist diese Werbung wahr? Erklärt sie den Zusammenhang zwischen Alkohol und Zerstörung?

Alkohol ist mindestens ebenso gefährlich wie Heroin (Resultat des Inserm, Le Monde 17. Juni 1998). Handel mit Alkohol muss darum mindestens ebenso bestraft werden wie der Handel mit Heroin.

Als der Marburger Oberbürgermeister Möller das obige Bild sah, meinte er, der Marder habe an der Bierflasche genagt und so sich selbst den Tod gegeben. "Marder sind so", sagte Möller. Ein geistreicher Scherz. Möller lobte den Alkohol-Produzenten, weil er so viel spendet. Möller soll Vorsitzender irgendeines Jäger-Vereins sein. Er hat halt ein Herz für Tiere.

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