Hans Schauer beobachtet einen Prozess in Kirchhain

Am 16.6.2003 wurden Martin G. (Morton) zu 60 Tagessätzen a 30 Euro und Andreas K. (Kirmes-Osama) zu 30 Tagessätzen a 20 Euro verurteilt (Aktenzeichen 2 Js 14425/02 11 Ds bei der Staatsanwaltschaft Marburg). Hans Schauer aus Marburg war als Prozessbeobachter dabei. Prof. Dr. Schauer war Universitätspsychologe, hat aber, wie sein folgender Bericht zeigt, den Amtsgerichtsdirektor Laudi nicht durchschaut. Wes Geistes Kind der Richter Laudi wirklich ist, hatte zuvor Dr. Peter Niehenke erfolgreich erforscht.

Amöneburg ist Herrschaftsgebiet von Neonazis. Richter Laudi weiß das; er hat die "Amöneburger Verhältnisse" erwähnt. Andererseits hat er alles in seiner Macht Stehende getan, um eine Aufklärung der Hintergründe zu verhindern. Vor dem 12.5.2002 waren mir Martin G. und Andreas K. unbekannt. Ich hatte nie zuvor etwas mit ihnen zu tun. Warum haben sie mir das Haus kaputt geschlagen und mich durch den Ort gehetzt?

Nach circa 50 Übergriffen auf mich und mein Haus, wovon etwa 30 bei der Polizei registiert sind, war dieses Urteil das erste und bis heute (2007) einzige. Alle anderen Verfahren wurden niedergeschlagen, auch mit Mitteln der Rechtsbeugung. Der Prozess am 16.6.2003 kam erst nach harten Auseinandersetzungen mit der Marburger Justiz auf Druck der Öffentlichkeit zustande. Der erste, der den Skandal anprangerte, war Dr. Peter Niehenke 2002. Panik bei den einheimischen Behörden löste Wolfgang Minder 2003 mit seinen Dreharbeiten für einen Film im Auftrag des WDR aus. Demgemäß war die Verhandlung am 16.6.2003 nur eine Show für die Medien, in der Amtsgerichtsdirektor Laudi vorführen wollte: Guckt mal her, ich tue ja doch etwas! Die lächerlich geringen Strafen für Martin G. und Andreas K. beweisen es. Hier ist Laudis Urteil vom 16.06.2003, das allerdings erst am 15.7.2003 getippt wurde.


Hans Schauer: Notizen

über die Gerichtsverhandlung am 16.6.2003 von 9 Uhr bis 11 Uhr im Amtsgericht Kirchhain in der Strafsache gegen Martin G. und Andreas K. wegen zweier Straftaten am 12.5.02 und am 25.8.02.

Anwesende: Richter Laudi und Beisitzer, der Gerichtsschreiber, der Staatsanwalt und sein später eingetroffener Begleiter. Der Angeklagte Martin G. wurde von einem Rechtsanwalt als Strafverteidiger unterstützt. Als Zeugen waren erschienen: Dr. Ulrich Brosa und weitere Zeugen. Außer mir war noch ein weiterer Zuschauer (möglicherweise von der Presse) anwesend.

Nach den üblichen Präliminarien und der Verlesung der Anklage durch den Staatsanwalt (leise, monoton, ohne irgendein Bemühen, die Sachlage auch Laien zu verdeutlichen), begann der Richter Laudi die Befragung der Angeklagten und gab ihnen die Gelegenheit, von sich aus zu der Anklage Stellung zu nehmen. Der Angeklagte Andreas K. wollte sich dazu nicht äußern. Der Angeklagte Martin G. war dazu bereit, wandte sich später auch an den Zeugen Dr. Brosa, der ja das Opfer des tätlichen Angriffs und der Sachbeschädigungen war, und bat ihn um Entschuldigung. Martin G. berichtete, daß er mit Andreas K. aus einer Gastwirtschaft gekommen war, sicher etwas getrunken hatte. Als er am Haus von Dr. Brosa die Videokamera sah, habe er sie weggedreht. Das sei wohl eine Kurzschlußhandlung gewesen. Er könne sich an manches nicht mehr so genau erinnern, habe nur noch markante Sachen in Erinnerung. Er räumte ein, daß in dieser Auseinandersetzung er selber der Akteur gewesen sei. Aber zu einem späteren Zeitpunkt sei Dr. Brosa plötzlich herausgestürzt und habe ihn fotografiert. Er habe sich davon beeinträchtigt gefühlt (den genauen Wortlaut habe ich leider nicht festgehalten), habe Herrn Dr. Brosa aufgefordert "Vernichten Sie das Foto! ... Sie tyrannisieren hier ein Dorf!" Zwischenzeitlich habe er seinem Kumpel gesagt: "K., wir gehen jetzt!" In seinem Bericht versuchte der Angeklagte G., seine eigenen Gefühle in der erinnerten Situation deutlich zu machen, hatte aber manchmal Schwierigkeiten, die rechten Worte dafür zu finden. Unsinnigerweise habe er gegen die Haustür getreten. Er selber sei der Akteur gewesen. Er war offenbar nicht darauf gefaßt gewesen, daß Dr. Brosa herauskam "und er mir aufs Auge schlug ...", er selbst (G.) habe noch nie jemanden geschlagen und sei auch in dieser Auseinandersetzung nicht gewalttätig gewesen. Nach dem Schlag seien sie gegangen, nach Hause und ins Bett. G. sprach von seiner Schuld, und daß man in dieser Form nicht in der Gesellschaft miteinander umgehen kann. Auf Befragen durch Richter Laudi: "... ich wollte doch nur die Kamera wegdrehen!" Frage des Richters: "... Herrn Brosa geschlagen?" - G.: "Das möchte ich ausschließen, daß ich das getan habe". Am andern Tage sei ihm die ganze Sache soo zuwider gewesen. Frage des Richters: " ... war da noch eine weibliche Person beteiligt?" G.: "... möchte ich nichts dazu sagen ..."

Der Rechtsbeistand des Angeklagten bat dann, vier Fotos vorlegen zu dürfen, was dann auch geschah. Ich habe davon nur mitgekriegt, daß die Juristen beim Betrachten der Bilder ein Lächeln nicht unterdrücken konnten.

Als der Angeklagte K. zu seiner Tatbeteiligung gefragt wurde, betonte er, daß er die Kamera nur von sich weg zu drehen versucht habe, sie erinnerte ihn an "Big Brother is watching you!" Er habe sie dabei wohl nicht kaputt gemacht, denn Herr Dr. Brosa habe danach noch andere Personen mit der Kamera aufgenommen. Er habe die Kamera zwar abgerissen, sie sei danach aber nicht unbrauchbar gewesen.

Der als Zeuge aufgerufene Polizist Böß war mir schon vor der Verhandlung aufgefallen, nachdem ich mich, ohne ihn zu kennen, zu ihm auf eine im Eingangsbereich des ersten Stocks befindliche Bank gesetzt hatte. Er blätterte hastig in einer Zeitschrift, ohne irgendeinen Text aufmerksamer zu lesen, und antwortete auf meine harmlos-neugierige Frage, ob er auch auf die Verhandlung in der Sache G./K. warte, mit einem mürrisch-kurzen "Ja!", und setzte sein ruckartiges Umblättern fort. Von Richter Laudi befragt, gab Herr Böß an, er wisse nur, was Herr Brosa ihm gesagt hatte. Auch auf die Frage des Rechtsanwalts nach den Verletzungen von Herrn Dr. Brosa antwortete der Zeuge nur vage.

Als Herr Dr. Brosa als Zeuge aufgerufen wurde, antwortete dieser auf Fragen des Richters sehr ruhig, sachlich und ausführlich. Auf Versuche des Zeugen, auf den Hintergrund der Vorfälle einzugehen und auch die Rolle eines Herrn Christoph A. anzusprechen, wurde dies vom Richter zurückgewiesen: "Der A. spielt hier keine Rolle!", oder später: "Ich verhandele hier nur über den 12.5. und den 25.8.2002". Richter Laudi wies auch Bemerkungen von Herrn Dr. Brosa zurück, in denen dieser Kritik am Vorgehen der Justiz, insbesondere der Staatsanwaltschaft, äußerte. Der Richter fragte den Zeugen im Einzelnen nach Zeichen, die einen Schluß auf das Ausmaß des vorherigen Alkoholkonsums des Angeklagten G. begründen konnten. Es ergab sich eine gewisse Übereinstimmung darüber, daß dieser sicher nicht nüchtern war, aber auch noch nicht volltrunken, sondern immer noch handlungsfähig.

Der Strafverteidiger versuchte, durch einige Fragen die Glaubwürdigkeit von Herrn Dr. Brosa in Zweifel zu ziehen. So fragte er nach Zeugen und Beweisen für den von Dr. Brosa vermuteten Drogengebrauch des Angeklagten G., und er fragte nach der Zahl der Anzeigen von Herrn Dr. Brosa gegen verschiedene Personen (Fahrzeughalter) wegen ihrer Nichtbeachtung von Verkehrsbeschränkungen, beispielsweise das Fahren mit Kraftfahrzeugen auf Feldwegen, die auf die Nutzung für Fußgänger, Radfahrer oder für landwirtschaftlichen Verkehr beschränkt waren. Dr. Brosa beantwortete die Frage.

Der Zeuge Manfred M. berichtete auf Befragen, daß er durch laute Schreie geweckt worden sei. Jemand habe gerufen "Holen Sie die Polizei!" und er habe Gesprächsfetzen gehört wie " ... haben sich hier in die Dorfgemeinschaft einzufügen". Er habe die Personen nur von hinten gesehen, einer habe längeres Haar gehabt (was am Tage der Verhandlung für den Angeklagten G. zutraf), und sie seien nicht nüchtern gewesen. Er habe das Ganze als übliche Aueinandersetzung von Leuten angesehen, die in der Wirtschaft oder danach in Streit geraten waren. Er habe keinen Anlaß gesehen, die Polizei anzurufen.

Die Zeugin Carmen K. (mit dem Angeklagten K. nur über Ecken verwandt; er erläuterte: "Ihr Vater ist mein Cousin") erinnerte sich nur noch an die Hauptpunkte ihrer schon vorliegenden Aussage, bestätigte aber deren Inhalt, nachdem sie ihr verlesen wurde. Auf Befragen: Sie habe zwar aus der Entfernung keine einzelnen Gewalthandlungen gegen Dr.Brosa beobachten können, aber sie gehe davon aus, daß einer der beiden Angreifer und jedenfalls nicht der Angegriffene der eigentliche Gewalttäter war. Sie habe auch eine Frau gesehen, die an der Auseinandersetzung beteiligt war.

Der Zeuge Thomas Sch. sagte aus, er habe nur gesehen, daß der Herr Brosa vor den ihm nachfolgenden Personen lief, ansonsten habe er nichts besonderes gehört oder gesehen.

Nach Abschluß der Befragungen las der Staatsanwalt eine vorbereitete Einschätzung der Straftaten und die Strafbemessungsvorschläge in der gleichen monotonen, ja schon leiernden Weise wie bei der Verlesung der Anklage ab. Nachträglich fiel mir auf, daß er sich praktisch nicht an der Aufklärung des Falles im Verlauf der Verhandlung beteiligt hatte, was nach meinem Laienverständnis zu den Aufgaben eines Staatsanwalts gehört, der ja nicht nur die Interessen des Staates, sondern auch die der Opfer und Kläger zu vertreten hat, und daß Herr Dr.Brosa das Opfer war, war ja augenscheinlich.

Nach kurzer Beratung trug Richter Laudi zusammenfassend die beiden in der Verhandlung rekonstruierten Fälle vor, würdigte sie in ihrer strafrechtlichen Relevanz und verkündete abschließend das Urteil. Ich habe es nicht notiert, da es ja ohnehin schriftlich vorliegen wird. Vor dem Urteilsspruch betonte Richter Laudi u.a., und zwar offenbar auf die Verdächtigungen durch den Rechtsanwalt bezogen, daß er an der Glaubwürdigkeit der Aussagen des Zeugen Dr. Brosa keine Zweifel habe und dessen Darstellung ohnehin durch das (Teil-)Geständnis des Angeklagten G. bestätigt worden sei. Bemerkenswert fand ich auch, daß der Richter in der Urteilsbegründung die offenbar ihm selber, und wohl auch der öffentlichkeit, bekannten "Amöneburger Verhältnisse" ansprach, auf die er aber im Rahmen der gerade verhandelten Strafsachen nicht näher eingehen wollte. Insgesamt erschien mir die Verhandlungsführung des offenbar erfahrenen Richters im wesentlichen als angemessen, und mit seinem Schußplädoyer konnte er zumindest die Oberfläche des zur Anklage und Verhandlung führenden Tatgeschehens deutlich machen.

Die auf zwei Stunden angesetzte Verhandlung konnte mit nur geringer Zeitüberschreitung beendet werden.


Hans Schauer erwähnt vier Fotos, die der Verteidiger des Martin G. dem Gericht vorlegte. Sie hätten bei den Juristen Heiterkeit ausgelöst. Vermutlich zeigen die Fotos Verwundungen (Veilchen usw.), die ich Martin G. beigebracht haben soll, als ich ihn von meiner Haustür zurückschlug. Ich kann allen, die in eine ähnliche Lage geraten wie ich, nur raten, sich nach Kräften zu wehren.

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