Anbiederisches Sprüchlein der Marburger Fremdenverkehrswerbung:

Studier mal Marburg

Je schlechter Polizei und Justiz desto stärker steigt die Sterblichkeit der Bevölkerung.

In Berlin mit seinen 3,5 Millionen Leuten werden pro Jahr weniger als 70 Menschen umgebracht. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf weist die Statistik des Polizeipräsidenten Meise 23 Straftaten gegen das Leben aus, also das, was umgangssprachlich Mord genannt wird. In Marburg-Biedenkopf wohnen 0,25 Millionen Leute.

Das ergibt eine Mordrate von knapp
10 pro 100000 Einwohner in Marburg-Biedenkopf verglichen mit knapp
  2 pro 100000 Einwohner in Berlin.
Die Wahrscheinlichkeit in Marburg-Biedenkopf umgebracht zu werden
ist fünfmal höher als in Berlin.

Gewalttätigkeiten, die nicht gleich zum Tod führen, sind in Landkreis Marburg-Biedenkopf allgegenwärtig. Dauernd gibt es Zoff. Alle halten sich raus, wenn ein anderer geprügelt wird. Mit der Polizei will keiner was zu tun haben, weil die Scherereien dann erst recht losgehen. Die Bevölkerung ist demoralisiert.

Bei einem derartigen Vorfall war ich als unbeteiligter Zeuge dabei. Ich hatte eine Kamera zur Hand, habe den Vorfall fotografiert und zur Anzeige gebracht.


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Dr. Ulrich Brosa                          35287 Amöneburg,  28. Juni 2003
                                                Am Brücker Tor 4
                                                Telefon 06422 7616

Polizeistation Marburg
Raiffeisenstraße 1
35043 Marburg

1) Anzeige gegen den Fahrer des XX-HT 753 wegen Durchfahrens einer
gesperrten Straße,
2) Strafanzeige gegen den Fahrer des XX-HT 753 wegen Gefährdung
des Straßenverkehrs (§ 315c StGB),
3) Strafanzeige gegen Beifahrer des XX-HT 753 wegen Nötigung (§ 240 StGB)
im Marburger Gerichtsweg am 21.4.2003 ab 16 Uhr 55.

Zur genannten Zeit schob ich mein Fahrrad im Gerichtsweg talwärts, als ich von 
hinten ein Auto kommen hörte. Ich drehte mich um und sah einen schwarzen VW 
mit dem Kennzeichen XX-HT 753. Das Auto fuhr mit überzogener Geschwindigkeit 
talwärts, obwohl der Gerichtsweg nur bergaufwärts durchfahren werden darf.
Währenddessen näherte sich bergaufwärts ein dunkelblauer Ford YY-JJ 37, der 
etwa in der Mitte der Fahrbahn fuhr. Ich habe für dieses Verhalten Verständ-
nis, da sich der rechte Rand der Fahrbahn in schlechtem Zustand befindet.
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Der Fahrer des YY-JJ 37 rechnete offenbar nicht mit einem entgegenkommen-
den, schnell fahrenden Fahrzeug. Er versuchte erst auszuweichen und hielt 
dann sein Fahrzeug an. Der Fahrer des XX-HT 753 tat zuerst so, als wolle er es 
auf einen Zusammenstoß ankommen lassen, und brachte erst dann - mit hörbarem
Bremsgeräusch - sein Auto zum Stehen.

Der Beifahrer des XX-HT 753, ein Skinhead, stieg aus und beschimpfte den Fah-
rer des YY-JJ 37: "Wichser". Als der Fahrer des YY-JJ 37 aussteigen wollte, 
wurde er von dem körperlich überlegenen Skinhead bedrängt und tätlich ange-
griffen. Der Skinhead schrie: "Wenn du mich anzeigst, zeige ich dich an!"
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Inzwischen hatten sich mehrere Fahrzeuge hinter YY-JJ 37 gestaut, an erster 
Stelle ein blauer Citroen mit dem Kennzeichen ZZ-XZ 857. Wie in solchen Si-
tuationen üblich, unterstützten die Insassen der nachfolgenden Fahrzeuge den 
Fahrer des YY-JJ 37 nicht. Stattdessen forderten sie ihn durch Hupen auf, die 
Straße möglichst rasch zu räumen. Daraufhin flüchtete der Fahrer des YY-JJ 37 
mit seinem Fahrzeug. Mein Handzeichen, mit dem ich andeuten wollte,
dass ich ihm als Zeuge zur Verfügung stehe, nahm er nicht wahr.

Dass es so war, wie ich schreibe, wird durch die beigelegten Fotos 1 bis 3 be-
legt. Der Skinhead, ein etwa dreißigjähriger Mann, ist durch eine kurze Nase 
und eine auffällige Kinnlade charakterisiert. Der Fahrer des YY-JJ 37, ein 
etwa vierzigjähriger Mann, hat eine ausgeprägte Stirnglatze.

Vorkommnisse wie das gerade beschriebene sind alltäglich.

Einer meiner Studenten beobachtete, wie fünf Jugendliche Mülleimer in Mar-
burgs Enge Gasse auskippten und sich beim Purzeln des Mülls amüsierten. Als 
dieser Student die Jugendlichen aufforderte, sie sollten den gefährlichen
Klamauk unterlassen, wurde er angegriffen. Er wurde angeherrscht niederzu-
knien und sich zu entschuldigen.

Mehrere pubertierende Mädchen randalierten an einer Marburger Bushalte-
stelle. Als eine Frau sie aufforderte, die Randale zu unterlassen, rissen die 
Mädchen die Frau an den Haaren zu Boden und trampelten auf ihr herum. Niemand 
half der Frau.

Eigentlich ist es nicht meine Aufgabe, Anzeigen wie diese zu schreiben. Doch
nach jahrelangen Erfahrungen laste ich den Behörden einen beträchtlichen Teil
der Schuld an der sich immer hemmungsloseren Ausbreitung asozialen Verhaltens
an. Polizisten pflegen in kritischen Situationen wegzusehen und lassen andere
die Unannehmlichkeiten ausbaden. Die Staatsanwaltschaft wimmelt Strafanzei-
gen regelmäßig ab, ohne sich auch nur ansatzweise um korrekte Ermittlungen zu 
bemühen. Richter handeln nach einer Devise, nach der alles gut ist, was ihnen 
Akten möglichst schnell vom Tisch schafft.

Bitte erledigen den StVO-Teil meiner Anzeige zügig und leiten Sie mein Schrei-
ben an die Staatsanwaltschaft weiter. Ich werde auf jeden Fall eine Kopie 
dieses Schreibens an das Justizministerium schicken und es auffordern, die 
Ermittlungen kontrollierend zu begleiten. Dass ich mich um öffentliche Un-
terstützung bemühen werde, versteht sich.

Anlage: 3 Fotos

Die Negative meiner Fotos enthalten wesentlich mehr Informationen als die hier veröffentlichten, unscharfen JPEG-Bilder. Die amtlichen Kennzeichen habe ich nur fürs Internet retuschiert.

studmar4.jpg Vorfälle wie diesen findet man nur dann komisch, wenn man nicht selbst betroffen ist.

Wer kann, verkrümelt sich. Was Bevölkerungsverlust angeht, wird Hessen nur von Sachsen-Anhalt, McPomm und Thüringen übertroffen. Sogar in Schläfrig-Holzbein ist es besser. Wenn man Nordhessen für sich betrachtet, werden die Aussichten noch düsterer. Denn Südhessen ist am ehesten mit Baden-Württemberg zu vergleichen. Quelle: Handelsblatt vom 4.6.2002

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