Modifiziertes anbiederisches Sprüchlein der Industrie- und Handelskammer Kassel:

Mordhessen hat's

Leute, die immer noch an das Märchen von der ländlichen Idylle glauben wollen, haben mich aufgefordert Beweise für den 23-fachen Mord und Totschlag im Landkreis Marburg-Biedenkopf vorzulegen. Hier ist einer: ein Artikel aus der MAZ vom 7.5.2003. Ähnliche Artikel wurden am 6.5.2003 in der Oberhessischen Presse und der Marburger Neuen Zeitung veröffentlicht.

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Verlautbarungen bundesdeutscher Behörden sollte man mit ähnlicher Vorsicht genießen wie weiland jene der DDR oder des Reichspropagandaministeriums. Der Titel lautet: "Leichter Rückgang der Straftaten im Landkreis Marburg-Biedenkopf". Doch

"Wir können stolz auf unsere Arbeit sein", lobt sich Kriminaloberrat Fritsch.

Ja woher kommt dann der "leichte Rückgang der Straftaten"?

Fast alle Autos haben inzwischen eine magnetische Wegfahrsperre. Kaufhäuser und Supermärkte haben Selbstjustiz eingerichtet. Vom staatlichen Rechtsschutz halten sie wenig. Hier zeigt sich der unermüdliche Fleiß des Kriminaloberrats.

Ebenfalls mit Skepsis sind Behauptungen wie "Aufklärungsquote von 52,3 Prozent" aufzunehmen. Von den Dutzenden Straftaten, die ich beobachtet habe oder deren Opfer ich wurde, haben Polizei und Staatsanwaltschaft keine einzige aufgeklärt. Aufklären musste immer ich selbst, oft gegen den Widerstand der Behörden.

Zu dick aufgetragen erscheint auch: "Alle anliegenden 23 Fälle (von Mord und Totschlag) wurden aufgeklärt". Wie es dazu kommt, kann man sich zusammenreimen, sobald man Meldungen liest wie

Vermutlich Suizid. Der Tod eines 20-jährigen Mannes aus Marburg, der in der Nacht zum Samstag, dem 15.Februar, schwerstverletzt auf der Fahrbahn des Pilgrimsteins aufgefunden wurde und kurz danach verstarb, ist nach weiteren Ermittlungen nicht auf einen Verkehrsunfall zurückzuführen. Der 20-jährige ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem oberen Stockwerk des Parkhauses gesprungen. Quelle: MAZ vom 19.2.2003.
Ich erinnere mich an einen Mann aus Osteuropa, der mit eingeschlagenem Schädel im Wohratal gefunden wurde. Als bei den Ermittlungen nichts herauskam, hieß es, der Mann habe sich die Wunden vermutlich selbst beigebracht. Ist er die Schluchten des Wohratals hinabgestürzt? Für Fremde: Das Wohratal ist so steil wie der Vorharz oder der Teufelsberg in Berlin.

Gewaltsames Dahinscheiden, dessen Verursacher nicht ermittelt wurde, deklarieren die Behörden im Regelfall als selbst verschuldeten Unfall oder Selbstmord. In der Polizeistatistik gibt es dafür einen Topf, genannt "natürlicher Tod, Unglücksfälle, Freitod, RG-Tote", der 2002 mit 175 Leichen aus Marburg-Biedenkopf großzügig gefüllt wurde. Quelle: Auszug aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2002, erhältlich beim Polizeipräsidium Mittelhessen., S.20.

Ich vermute deshalb, dass es mehr als 23 Mord-und-Totschlag-Tote gab. Für meine Gegenüberstellung habe ich indessen nur die Zahl der Polizei verwendet.

Ergänzung Ende 2003: Kfz-Versicherungen haben die Regionalklasse des Landkreises Marburg-Biedenkopf erhöht. Das offenbart besser als alle Polizeistatistiken, wie es mit der hiesigen Sicherheit wirklich bestellt ist. Es zeigt auch, dass eine schlechte Polizei alle teuer zu stehen kommt.

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